Der gleichgeschlechtliche Traum vom Baby

  • Für homosexuelle Frauen und Männer gibt es verschiedene Wege zum eigenen Kind, die sich teilweise in rechtlichen Grauzonen bewegen
  • Die Experten der Messe „Kinderwunsch Tage“ (17. Und 18. Februar 2017 in Berlin) über Möglichkeiten das Familienglück zu erfüllen

Berlin, 9. Dezember 2016

Das turbulente, bunte und erfüllende Zusammenleben mit Kindern wünscht sich heute jede zweite lesbische Frau und jeder dritte schwule Mann in Deutschland. Inzwischen leben mehr als 7.000 minderjährige Kinder bei gleichgeschlechtlichen Paaren. Nach der wachsenden gesellschaftlichen Akzeptanz von Coming Outs und dem Meilenstein der 2013 errungenen eingetragenen Lebenspartnerschaft ist der Wunsch nach Nachwuchs für viele homosexuelle Paare der nächste Schritt zum eigenen Familienleben. Doch die Hürden für gleichgeschlechtliche Paare sind in Deutschland sehr hoch, weshalb alternative Lösungen den Ausweg bedeuten. David McAllister,
Veranstalter der ersten Messe für Menschen mit Kinderwunsch, gibt Tipps, wie der Traum vom
Familienglück auch für gleichgeschlechtlich L(i)ebende wahrwerden kann.

1. Lesbische Partnerschaft: So finden die Blümchen ihr Bienchen mit Becherchen

Insemination – Medizinisch begleitet oder privat

Naturgegeben sind zum Eintreten einer Schwangerschaft verschiedene Geschlechter notwendig.
Frauen-Paare sind daher auf Spendersamen angewiesen. Um eine Befruchtung durchführen zu
können, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Eine ist die sogenannte Bechermethode bei der sich die
Frau zum richtigen Zeitpunkt des Zyklus die Spendersamen einführt. Diese Methode, auch künstliche
Befruchtung ohne medizinische Betreuung genannt, führt bei gesunden Frauen häufig zum Erfolg.
Eine weitere Möglichkeit ist die assistierte Reproduktion, bei der das Sperma des Spenders unter
medizinischer Beobachtung in einer Fertilitätsklinik inseminiert wird.

Spendersamen – Von Banken und Bekannten

Da die rechtliche Situation in Deutschland unklar ist, ob bei lesbischen Frauen inseminiert werden
darf, entscheiden sich viele Samenbanken und Reproduktionskliniken dagegen. Häufig gehen
homosexuelle oder alleinstehende Frauen daher ins Ausland, wo die Gesetzeslage oft eine andere ist.
Dennoch machen sich Ärzte in Deutschland nicht strafbar, wenn sie eine lesbische Frau bei der
Insemination mit Spendersamen unterstützen. Einige Kliniken und Samenbanken in Deutschland
unterstützen gleichgeschlechtliche Paare, aber machen ihr Angebot nicht öffentlich.
Zusätzlich zur Samenbank besteht die Möglichkeit des privaten Spermas. Ob über das Internet, im
Bekanntenkreis oder einer Organisation – in diesem Fall handelt es sich per Gesetz um den echten
Vater, der dementsprechend auch die Rechte und Pflichten am Kind hat. Vor dem Eintreten einer
Schwangerschaft müssen deshalb alle möglichen Szenarien durchgesprochen und vereinbart werden.
„Wir haben die rechtlichen Hürden, die viele Menschen mit Kinderwunsch in Deutschland nehmen
müssen, erkannt und wollen mit Kinderwunsch Tage allen eine Informationsplattform bieten, die nach
alternativen Möglichkeiten suchen, ein Kind zu bekommen“, so David McAllister.

2. Schwule Partnerschaft – Eltern sein oder Spender werden

Co-Elternschaft – Mama, Mama, Papa, Kind

Anders als Frauen, die sich durch Insemination mit Spendersamen den Traum vom eigenen Kind
erfüllen können, haben es Männer schwerer. Für schwule Männer gilt: In Deutschland ist
Leihmutterschaft verboten. Durch die Spende des eigenen Samens können sie ihren Wunsch nach
einem leiblichen Kind dennoch verwirklichen. Viele Frauen-Paare nehmen das Angebot des
sogenannten Co-Parenting gern an und überlassen dem Spender gerne die Rolle des Vaters. Auch hier
müssen im Vorfeld Vereinbarungen zum Umgang abgesteckt werden, damit dieses Konstrukt
funktioniert.

Leihmutterschaft – Ein anderer Austragungsort

Für viele schwule Paare ist Leihmutterschaft die beste Alternative zum eigenen Kind, da sie sich so die Rechte nicht teilen müssen. Die USA sind dabei eines der beliebtesten Länder, wenngleich auch eines der teuersten. Craig Reisser, Mitarbeiter vom Oregon Reproductive Medicine und Herausgeber des Magazins Fertility Road, hat selbst gute Erfahrungen gemacht. Sein Partner und er sind Väter zweier Söhne, die von einer Leihmutter ausgetragen wurden. Die beiden Jungen sind Halbbrüder – Craig ist der leibliche Vater des einen und sein Mann des anderen Kindes. „Wir sind so froh, die beiden zu haben und genießen unsere Zeit als Familie. Der Prozess war sehr aufregend und eine finanzielle Herausforderung, aber nun sind wir komplett“, so Craig. Da in Deutschland die Adoption von Kindern in gleichgeschlechtlichen Beziehungen rechtlich nicht möglich ist, müssen die Partner dies in Amerika vollziehen. 2014 entschied der Bundesgerichtshof bei einem Paar, dass sie die volle Elternstellung innehaben, wie zuvor in den USA festgelegt.

3. Regenbogenfamilie

Der Begriff der Regenbogenfamilie beschreibt alle homosexuellen Paare, die mit Kindern zusammen
leben - sei es mit einem Kind aus einer vorherigen heterosexuellen Beziehung, einem Pflegekind in
sogenannter Vollzeitpflege oder durch Adoption als Einzelperson. Laut einer Studie des BMJ haben die meisten lesbischen Mütter leibliche Kinder, während schwule Väter größtenteils Pflegekinder
aufnehmen. Nur ein Viertel der Kinder in Regenbogenfamilien wurde in eine Queer-Familie geboren.

Queer-Familie – Schwul-lesbische Co-Elternschaft

Die gemeinsame Elternschaft lesbischer Frauen und schwuler Männer ist eine weitere Option für
gleichgeschlechtlich lebende Familien. Der Vorteil dabei ist, dass die Beteiligung von Behörden oder
medizinischen Institutionen nicht nötig ist. Ein Nachteil ist, die fehlende gesetzliche Anerkennung einer solchen Queer-Familie. Die Entwicklung eines Konzepts zur Lösung dieses Problems wird momentan politisch bearbeitet. Weitere Herausforderungen, denen sich Mehrpersonenfamilien stellen müssen, sind emotionale Empfindungen wie das Gefühl das fünfte Rad am Wagen zu sein, gesellschaftlich nicht besetzte Rollen, rechtliche Absicherungen wie das Sorge- und Umgangsrecht sowie Unterhaltsansprüche.

Fazit:

Homosexuelle Frauen und Männer sehen sich mit vielen Problemen konfrontiert, wenn es um
Familienplanung geht. Nicht nur gesellschaftliche Vorurteile, sondern auch gesetzliche Hürden
erschweren die den Weg zum eigenen Kind. Geld, Durchhaltevermögen und starke Nerven sind
Voraussetzungen für die Regenbogenfamilie. Verwirrende oder fehlende Informationen erschweren
die Planung zusätzlich. Frauen und Männer, die sich für alternative Möglichkeiten der Familienplanung interessieren, haben die Möglichkeit sich in über 60 Fachvorträgen von „Der Erfüllung des Kinderwunsches für Paare, alleinstehende und lesbische Frauen mit Hilfe von Spendersamen – einfach und seriös“ über „Der unerfüllte Kinderwunsch aus männlicher Sicht“ bis hin zu „Leihmutterschaft – Annäherung an eine in Deutschland verbotene Behandlung“ bei den Kinderwunsch Tagen in Berlin zu informieren.

Über die Kinderwunschtage

Als deutschlandweit erste Publikumsmesse für alternative Familiengründung bieten die
Kinderwunschtage (http://www.kinderwunsch-tage.de) all denjenigen ein Forum, die sich informieren,
austauschen oder beraten lassen möchten. In über 60 Vorträgen von führenden Fachberatern, Ärzten,
Gesundheitsexperten und Organisationen reichen die Themen u.a. von künstlicher Befruchtung, über
Samenspende, bis hin zu Möglichkeiten der Adoption und Leihmutterschaft. Aber auch Gesundheits und Sportthemen sowie der individuelle Erfahrungsaustausch von Besuchern finden ihren Platz.
Die Kinderwunschtage finden am 18. und 19. Februar 2017 im Mercure Hotel MOA Berlin statt und
werden vom britischen Veranstalter für Gesundheitsmessen f2f events ausgerichtet. Tickets sind im
Online-Vorverkauf sowie vor Ort ab 20 Euro (Einzelbesucher) bzw. 30 Euro (Paarticket) und als Weekend Pass erhältlich.